Mit diesen drei Massnahmen können Unternehmen das schwindende Vertrauen in Technologie stärken

11. Januar 2023 | Von Michael Miebach

Das öffentliche Misstrauen gegenüber Technologie wächst zunehmend. Im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums in Davos appelliert Michael Miebach, CEO bei Mastercard, an die Führungskräfte, sich intensiver mit diesem Thema zu befassen und Gegenmassnahmen zu ergreifen. Im Blog des World Economic Forums teilt er seine Meinung und gibt drei Tipps, was zu tun ist.

Wir haben den Artikel für Sie übersetzt:

  • Das Misstrauen gegenüber Technologie hat mittlerweile ein kritisches Niveau erreicht, da Schlagzeilen über Themen wie Datenmissbrauch, Fehlinformationen oder Spambots in letzter Zeit stetig zunehmen.
  • Führungskräfte sollten nicht einfach auf neue Regulierungen warten, bevor sie handeln – bereits heute existieren viele Möglichkeiten, um das Vertrauen in Technologie zu stärken.
  • Dazu gehört vor allem sicherzustellen, dass personenbezogene Daten in erster Linie zum Nutzen der Personen und stets unter Berücksichtigung ihrer Privatsphäre und Sicherheit verwendet werden.
Michael Miebach, CEO Mastercard

Michael Miebach, CEO Mastercard

Jedes Mal, wenn ich mein Telefon nutze, werden neue Daten generiert. Dasselbe gilt, wenn ich auf meine Smartwatch schaue, wenn ich zur Arbeit fahre oder wenn ich mit einem Smart Speaker das Licht einschalte. Tausende meiner Handlungen erzeugen tagtäglich Tausende von neuen Datenpunkten. Dies gilt für alle Menschen, die digitale Tools nutzen – einschliesslich meines Freundeskreises, der Nachbarn und meiner Kinder.

Auf diese Weise werden täglich mehr Daten generiert und so betten sich neue Technologien immer tiefer in unser Leben ein. Dabei fehlt es jedoch oft an Transparenz, welche Informationen gesammelt werden, wofür sie verwendet werden und wie ich darauf zugreifen kann.

Aus diesem Grund schwindet seit Jahren das Vertrauen der Menschen in neue Technologien. Dieses Misstrauen hat mittlerweile ein kritisches Niveau erreicht, auch da Schlagzeilen über Themen wie Datenmissbrauch, Fehlinformationen oder Spambots in letzter Zeit stetig zunehmen.

Wenn Unternehmen sich diesem Problem nicht annehmen, werden sich Konsument:innen langfristig nicht mehr auf neue Technologien einlassen. Dies wiederum würde Innovationen bremsen und die enormen Vorteile, die wir alle aus der digitalen Wirtschaft ziehen können, gefährden.

Dabei können wir alle dazu beitragen, eine digitale Wirtschaft zu schaffen, die sicherer, intelligenter und integrativer ist. Dafür sehe ich drei Ansätze:

1. Stärkerer Datenschutz und Schutzvorkehrungen

Ein Beispiel: Es gibt eine Kinderschutz-App, die weltweit von Millionen von Eltern verwendet wird, um ihre Kinder zu beaufsichtigen. Eine Untersuchung im Jahr 2021 ergab, dass der Anbieter der App die Standortdaten der Nutzer:innen an etwa ein Dutzend Datenbroker verkauft hat. Das Unternehmen reagierte darauf, indem es diese Verkäufe reduzierte. Aber der Schaden war bereits angerichtet – das Vertrauen ging verloren.

Dies ist lediglich ein Beispiel der Multimilliarden-Dollar-Industrie rund um die Monetarisierung von Nutzerdaten. Die ständige und unbewusste Weitergabe von persönlichen Daten zum Erzielen von Gewinn sollte nicht der versteckte Preis sein, den wir alle zahlen, um an der digitalen Welt teilzuhaben. Lange, schwer zu verstehende Einverständniserklärungen, die niemand liest, sind mitunter ein Teil dieses Problems.

Unternehmen können wachsen, indem sie sich auf das Grundprinzip fokussieren, dass personenbezogene Daten einer Person gehören und dieser auch zugutekommen sollten. Ja, so einfach ist das. Die EU-Datenschutz-Grundverordnung bekräftigt diesen Punkt und besagt, dass Unternehmen ihre Produkte so gestalten müssen, dass sie einen starken Datenschutz beinhalten, klarer darlegen, wie mit den Daten der Menschen umgegangen wird, und den Menschen ermöglichen sollen, auf ihre Daten zuzugreifen und sie zu löschen.

Mehr Unternehmen auf der ganzen Welt sollten möglichst viele dieser Prinzipien übernehmen. Ihre Nutzer werden es ihnen danken.

2. Ein sichereres Krypto-Ökosystem

Sie können nicht über Vertrauen in die Technologie sprechen, ohne auf das Vertrauen in Krypto einzugehen. Vor der FTX-Implosion waren viele Menschen und Finanzinstitute bereits skeptisch gegenüber der Sicherheit von Kryptowährungen. Jetzt wird die gesamte Krypto-Branche noch einmal genauer unter die Lupe genommen.

Mein Unternehmen ist wie viele andere der Ansicht, dass die Blockchain-Technologie vielversprechend ist, um effizientere Finanzinstrumente und Zahlungssysteme zu entwickeln. Aber nichts davon ist ohne Vertrauen möglich.

Strengere Vorschriften können viel dazu beitragen, dieses Vertrauen aufzubauen. Ausserdem müssen Krypto-Unternehmen und traditionelle Finanzinstitute enger zusammenarbeiten. Finanzinstitute und Finanzdienstleistungsunternehmen verfügen über hohe Expertise in Bereichen wie Risikomanagement, Geldwäschebekämpfung und Corporate-Governance-Protokolle. Dieses Wissen sollte noch mehr in die Kryptoindustrie einfliessen, um dringend benötigte Standards und einen einheitlichen Rechtsrahmen in dieser jungen Branche zu schaffen.

3. Vorurteile gegenüber Künstlicher Intelligenz beseitigen

Im Jahr 2016 stellte ProPublica fest, dass ein von US-Richter:innen und Bewährungshelfer:innen verwendeter Algorithmus Schwarze Angeklagte fälschlicherweise doppelt so häufig als Personen mit hohem Risiko für kriminelles Verhalten einstuft. Das House of Lords im Vereinigten Königreich und der UN-Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung haben ähnliche Bedenken hinsichtlich der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Polizeiarbeit geäussert.

Es bestehen viele versteckte Vorurteile, die in KI-Systeme eindringen und dadurch die Freiheiten einschränken und Lebensgrundlagen von Menschen schädigen können. Mehrere Studien reklamieren zudem, dass KI soziale Ungleichheiten bei der Beantragung von Krediten oder Bewerbungen um einen Job und sogar beim Arztbesuch verstärken kann.

Führungskräfte sollten daher nicht einfach auf neue Regulierungen warten, bevor sie Gegenmassnahmen ergreifen – schliesslich gibt es schon heute viel zu tun. Wir müssen unerbittlich die falschen Vorurteile gegenüber KI beseitigen. Der einzige Weg, dies zu erreichen, sind Forschung und ausgiebige Tests sowie die Intensivierung von Transparenz und Rechenschaftspflicht. Viele Unternehmen ergreifen diese Schritte, doch durch Zusammenarbeit kann noch viel mehr erreicht werden.

Erst wenn wir von KI-Systemen alle gleichbehandelt werden, wird das Vertrauen wieder gestärkt.

Vertrauen entsteht, indem man ein Versprechen gibt und dieses auch kontinuierlich einhält.

Die Geschäftswelt kann das Vertrauen in die Technologie wiederherstellen, indem sie sich genau darauf konzentriert. Stellen Sie sicher, dass die personenbezogenen Daten in erster Linie zum Nutzen dieser Personen verarbeitet werden, unter Berücksichtigung ihrer Privatsphäre und Sicherheit. Es müssen Datenrichtlinien erstellt werden, die für Menschen leicht verständlich sind und denen mehr Unternehmen folgen. Auch für Krypto sollten Standards eingeführt werden. Und die Vorurteile gegenüber KI müssen beseitigt werden.

Sowohl als Konsument von Technologie als auch als Vorreiter sind wir es uns selbst und unseren Kund:innen schuldig, zu handeln.

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Michael Miebach, Chief Executive Officer, Mastercard

Über Mastercard (NYSE: MA)www.mastercard.com

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