KI verändert das Reisen – Destinationen wie Leipzig rücken international stärker in den Fokus

22. Mai 2026 | Frankfurt | By Oliver Jonas

Das Mastercard Economics Institute (MEI) hat seinen Travel Trends Report 2026 veröffentlicht. Die Analyse zeigt: Künstliche Intelligenz verändert zunehmend, wie Menschen reisen – und welche Destinationen sie wählen. In Deutschland wird dieser Wandel am Beispiel von Städten wie Leipzig sichtbar, die verstärkt von KI-gestützten Reiseempfehlungen profitieren. Insgesamt passen Reisende ihre Entscheidungen immer stärker an veränderte Rahmenbedingungen an – sie wählen bewusster, wohin sie reisen, wie sie reisen und welche Erlebnisse sie suchen. Für Europa ergibt sich daraus das Bild eines resilienten Reisemarktes, in dem sich ein bewussteres Reiseverhalten durchsetzt.

Künstliche Intelligenz rückt Reiseziele wie Leipzig international stärker in den Fokus

KI bringt neue Reiseziele auf die Karte – auch in Deutschland
Immer mehr Menschen nutzen KI-gestützte Anwendungen zur Planung ihrer Reisen. Diese liefern personalisierte Empfehlungen und lenken die Nachfrage zunehmend auf weniger bekannte Destinationen. In Deutschland wird dieser Trend am Beispiel Leipzig sichtbar: Die Stadt zählt zu den europäischen Reisezielen, die besonders stark von KI-Empfehlungen profitieren. Laut Travel Report stammt rund ein Drittel der Ausgaben internationaler Leipzig-Besucher:innen von Reisenden, die KI-gestützte Anwendungen nutzen. Leipzig verbindet dabei historischen Charme mit einer lebendigen Kultur‑ und Kreativszene und gilt als erschwingliche Alternative zu etablierten Metropolen. Das verdeutlicht die wachsende Bedeutung sogenannter „Hidden Gems“ im europäischen Reisemarkt.

Europa bleibt ein weltweit bedeutendes Ziel für Kultur und erlebnisorientiertes Reisen
Unterbrechungen im Flugverkehr und in der Energieversorgung haben zwar auf einzelnen Strecken zu geringeren Kapazitäten geführt und Umleitungen erforderlich gemacht, zugleich entstehen in Europa alternative Drehkreuze im Reiseverkehr. Dennoch zeigt die Auswertung der geplanten Flugkapazitäten zwischen Juni und September, dass europäische Destinationen weiterhin stark wachsen – auch im Vergleich zum Vorjahr. Sechs der zehn wachstumsstärksten Reiseziele weltweit liegen in Europa. Paris dürfte dabei die höchste Dynamik verzeichnen und seine Rolle als führendes internationales Reiseziel weiter festigen. Dahinter folgen Amsterdam und Brüssel, während auch Barcelona, Madrid und Frankfurt deutliche Zuwächse beim internationalen Reiseaufkommen verzeichnen.

Europas Metropolen bleiben gefragt
Unterschiedliche Ausgabenmuster machen deutlich, wie vielfältig und erlebnisreich Europa als Reisedestination ist. Deutsche Reisende geben einen vergleichsweise hohen Anteil ihres Budgets für Lebensmittel aus. Schweizer Reisende in Frankreich konzentrieren ihre Ausgaben häufig auf den Einzelhandel – Paris wird damit auch zum Shopping-Ziel. Besucherinnen und Besucher aus Großbritannien und den Niederlanden legen dagegen besonderen Wert auf Gastronomie und kulinarische Erlebnisse. In Spanien wiederum spielt das Nachtleben weiterhin eine zentrale Rolle für den Tourismus – insbesondere bei britischen Gästen, deren Ausgaben in Bars deutlich über dem Durchschnitt internationaler Reisender liegen.

Preisbewusstsein bleibt ein zentraler Treiber der Reisebranche
Vor allem steigende Energie- und Kraftstoffpreise treiben die Kosten für Transport und Unterkünfte weiter nach oben. Gleichzeitig beeinflussen schwankende Wechselkurse und unterschiedliche Einkommensentwicklungen sowohl die Wahl der Reiseziele als auch die Häufigkeit von Reisen. Viele Reisende planen daher selektiver, was sich in einzelnen Regionen bereits in einer leicht rückläufigen Nachfrage widerspiegelt. Insgesamt zeigt sich der Reisemarkt jedoch widerstandsfähig – gestützt durch stabile Arbeitsmärkte und eine weiterhin hohe Ausgabenbereitschaft für Reiseerlebnisse. Auch in Europa bleibt die Lust aufs Reisen bestehen, zunehmend jedoch mit einem stärkeren Fokus auf Preis-Leistungs-Verhältnis, den richtigen Zeitpunkt und die Qualität der Reise.

Bahnreisen gewinnen in Europa weiter an Bedeutung
Die Ausgaben von Reisenden für Zugreisen sind zwischen 2022 und 2025 gestiegen und deuten auf einen schrittweisen, aber spürbaren Wandel im Reiseverhalten hin: Der Weg wird zunehmend selbst zum Reiseerlebnis. Innerhalb Europas nutzen vor allem Reisende aus Spanien verstärkt die Bahn, gefolgt von Gästen aus den Niederlanden sowie aus Belgien und dem Vereinigten Königreich.
Europa ist damit ein zentraler Treiber dieser Entwicklung – auch dank politischer Initiativen wie der EU-Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität, die unter anderem eine deutliche Ausweitung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs vorsieht. Damit wird die Bahn für Reisende zunehmend zu einer attraktiven und klimafreundlicheren Alternative.
Gleichzeitig wächst auch das Segment der Luxuszugreisen deutlich: Rund ein Fünftel der weltweiten Ausgaben für Bahnreisen entfällt inzwischen auf dieses Segment. Die Nachfrage kommt dabei vor allem aus Europa, insbesondere aus Italien, Spanien und dem Vereinigten Königreich. Auffällig ist, dass Reisende aus Italien einen besonders hohen Anteil ihrer Ausgaben für hochwertige Zugerlebnisse verwenden.


Natalia Lechmanova, Chief Economist Europe bei Mastercard:
„Trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten zeigt sich die europäische Reisebranche bislang robust. Mit der schrittweisen Normalisierung von Reisegewohnheiten gewinnen Faktoren wie Preis-Leistungs-Verhältnis, Bezahlbarkeit und bewusst gestaltete Reiseerlebnisse weiter an Bedeutung. Unsere Daten zeigen, dass Europa seine zentrale Rolle im globalen Reisegeschehen behauptet – auch wenn geopolitische Entwicklungen, Wechselkursschwankungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zunehmend beeinflussen, wie und wohin Menschen reisen.“


Über das Mastercard Economics Institute 
Das 2020 gegründete Mastercard Economics Institute analysiert globale wirtschaftliche Entwicklungen aus der Perspektive der Verbraucher. Ein interdisziplinäres Team aus Ökonom:innen, Analyst:innen und Datenexpert:innen nutzt Erkenntnisse aus Mastercard-Daten sowie Informationen von Drittanbietern, um regelmäßig fundierte Analysen für Unternehmen, Partner und politische Entscheidungsträger bereitzustellen.


Über Mastercard (NYSE: MA)   

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Oliver Jonas, Director Communications Deutschland und Schweiz